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Ende April hat sich der Eigentümer der E97 geschlagen gegeben und wir haben endlich einen Kaufvertrag unterschrieben. Wir sind die neuen Eigentümer:innen der Eisenbahnstraße 97!
Die Eisenbahnstr. 97 ist ein Haus mit Geschichte. Nachdem das Haus viele Jahre zum Leipziger Leerstand zählte, machten sich 2013 die ersten Personen an die Arbeit, Wohnraum in diesem Objekt zu erschließen, zu bauen und sich ihr Zuhause einzurichten. In den Ladenflächen etablierten sich das Soziokulturelle Projekt ConHanHop und eine Kneipe. Nur kurze Zeit später wurde das Haus an eine Investorengruppe verkauft und der Kampf um die Mietverträge begann.
Durch Behaarlichkeit, herausragende juristische Vertretung und Durchhaltevermögen konnten nach knapp 10 Jahren die mit Abstand besten Mietverträge Leipzigs ausgehandelt werden. Die Zeit zum Aufatmen war jedoch kurz. Ohne dass die Bewohnenden zuvor informiert wurden, wurde das Haus 2023 erneut verkauft und die Lage eskalierte schnell. Ein halbes Jahr ohne Gas, Brandanschläge am Freisitz der Kneipe, durchgeschnittene Stromkabel, Baulärm, Wasserschäden, Wutausbrüche des Eigentümers, Kündigungen, Räumungsklagen.. Die Bewohnenden haben viel ausgehalten. Nach nunmehr 2,5 Jahren Schikanen, Jahren voller Druck und Unsicherheiten, können wir endlich sagen: Kämpfen lohnt sich!
Ein Eigentümer mehr ist mit seinem Investitionsmodell gescheitert und hat sich an den Bewohnenden die Zähne ausgebissen. Die E97 wurde mit Hilfe der Stiftung trias dem Immobilienmarkt entzogen und soll selbstverwaltet bleiben. Das ConHanHop bleibt ein unkommerzielles soziokulturelles Zentrum mit Raum für Plena, solidarische Veranstaltungen, Vorträge und gemeinsames Ausprobieren. Ein Ort und Treffpunkt, der für alle Menschen offen sein soll – unabhängig von sozialen oder ökonomischen Hintergründen.
Um den Hauskauf in die Wege zu leiten, mussten wir bereits eine Menge bürokratischer Hürden nehmen. Wir haben einen Verein und eine Unternehmergesellschaft gegründet. Wir als Hausgemeinschaft haben mit einem Erbbaurecht das Haus gekauft, der Grund und Boden bleibt in der Hand der Stiftung trias.
Damit wird sichergestellt: Mit diesem Haus wird nicht mehr spekuliert.
Ein Haus weniger, das luxussaniert und für die doppelte Miete weitervermietet wird! Mehr als 30 Menschen weniger, die auf einem ohnehin überfüllten Wohnungsmarkt nach neuem Wohnraum suchen müssen! Ein Ladenprojekt mehr, das bleiben kann. Ein Ort mehr, an dem Mieten langfristig bezahlbar bleiben sollen! An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei der Stiftung trias für die gute Zusammenarbeit und die tatkräftige Unterstützung in dem Kaufprozess bedanken.
Jetzt beginnt ein neues Kapitel. Es kommt viel Arbeit auf uns zu. Wir müssen lernen, ein Haus zu verwalten, neue Verantwortungen übernehmen und Prozesse kollektiv verhandeln. Aber zum ersten Mal seit langer Zeit fließt diese Energie in ein Projekt mit Zukunft. Jetzt entscheiden wir als Hausgemeinschaft selbst, was in dem Haus passiert, in dem wir leben!
Zwar wurde das Haus vom bisherigen Eigentümer neu angestrichen und oberflächlich geschönt, notwendige Renovierungen und Instandhaltungsmaßnahmen wurden jedoch kaum veranlasst. Diese wichtigen und notwendigen Bauarbeiten, müssen wir nun selbst beauftragen und durchführen.
Dafür brauchen wir weiterhin eure Unterstützung! Vor allem sind wir auf finanziellen Support in Form von Direktkrediten angewiesen. Direktkredite ermöglichen dank niedrigerer Zinssätze anfallende Kosten zu stemmen und so bezahlbaren Wohnraum und das unkommerzielle Ladenprojekt ConHanHop langfristig zu sichern.
Wenn ihr uns dabei helfen könnt und möchtet, lest doch gerne auf unserer Website nach (e97.org/direktkredite/)!
Auch wenn der Hauskauf für uns ein großer Erfolg ist, möchten wir dazu sagen: Es geht um mehr als unser eigenes Haus! Wir wünschen uns, dass Investor:innen verstehen, dass ihr Geschäftsmodell nicht alternativlos ist.
Wir wünschen uns, dass andere Hausgemeinschaften sehen, dass Widerstand etwas verändern kann. Wer mit Wohnraum spekuliert, soll damit rechnen, auf Gegenwind zu stoßen. Was wir geschafft haben, passiert zu selten.
Wissend, dass ein Hauskauf nicht immer die Lösung ist, denken wir an all die anderen Mieter:innen und Projekte, die im Mietkampf stecken oder die den Kampf bereits verloren haben. Vielen Menschen wurde Ihr Zuhause bereits genommen und viele kulturellen Projekte wurden schon geräumt.
Der Kampf gegen dreiste Vermietende ist hart und trotzdem ermutigen wir alle Hausgemeinschaften in Leipzig und überall sonst, die von Entmietung bedroht sind: Organisiert euch und kämpft um euer Zuhause! Fragt nach Hilfe und unterstützt euch gegenseitig! Seid laut und lasst nicht zu, dass Entmietung im Stillen geschieht. Informiert euch über eure Rechte und Beratungsangebote.
Wenn ihr nicht selbst betroffen seid, unterstützt die, die es sind. Engagiert euch in euren Nachbarinnenschaften. Lernt euch kennen und zeigt euch solidarisch. Erfolge geben Hoffnung und Kraft in schweren Zeiten. Solidarität ist unsere Waffe und der gemeinsame Kampf macht uns stärker. Die Freund:innen, die wir während des Kampfes gewinnen und die Netzwerke, die wir dabei knüpfen, sind wertvoll.
Nicht zuletzt wollen wir uns von Herzen bei Euch bedanken. Dass wir dieses Haus kaufen konnten, wäre ohne eure Unterstützung in den letzten Jahren niemals möglich gewesen. Jede Soli-Veranstaltung, jede Spende, jede Nachricht und jede Person, die vorbeigekommen ist, hat uns sehr viel Kraft gegeben. Danke!
Vermietende in ihre Schranken weisen und Solidarität mit allen Betroffenen!
Jeder Kampf gegen Entmietung ist ein Kampf für eine Stadt für alle.
E97 bleibt! Die Häuser denen, die drin wohnen










