Leipzig, 25.06.2025
Die E97 hat zuletzt 3 Räumungsklagen gewonnen und gefeiert, dass alle weiteren Klagen gegen die Mieter*innen zurückgezogen wurden (LVZ, 21.06.25, Mieter in Leipzig erleichtert: E97-Eigentümer zieht alle Räumungsklagen zurück) . Seit ein paar Tagen steht die E97 nun wieder zum Verkauf – 3 Millionen Euro soll das Haus kosten, an dem der Eigentümer zuletzt lernen musste, dass darin Mieter*innen leben, die Rechte haben und für diese kämpfen.
Gelockt wird mit hohen Einnahmen nach „Entwicklung der Immobilie“. Übersetzt heißt das: Wer es schafft, uns alle rauszuschmeißen, der verdient durch teure Neuvermietung vielleicht genug Geld mit dem Haus, sodass sich der Kaufpreis rechnet. Als Sanierungsarbeiten vor Verkauf ist von Fassadendämmung, neuen Gasetagenheizungen und neuer Verrohrung die Rede. Wir erinnern uns an die „Sanierungsarbeiten“ im letzten Jahr – die Fassade wurde dabei jedenfalls nicht gedämmt, Gasrohre haben wir auf eigene Kosten reparieren lassen, das Dach wurde auf solche Weise „saniert“, dass wir mehrfach das Ordnungsamt einschalten mussten. Dass aus diesen Arbeiten Mängel wie Wasserschäden an den Wohnungen entstanden sind, ignoriert der Vermieter bis heute. Gelockt wird ebenfalls mit dem Dachausbau zu fancy Loftwohnungen. Die Baustelle wurde zwar begonnen, entsprechende Genehmigungen gab es dafür aber nicht. Auch das störte den Eigentümer nicht. Es lag an den Bewohner*innen, auf die Einhaltung von baurechtlichen Bestimmungen zu pochen. Mittlerweile liegt die Baustelle brach.
Aber man kann es ja mal versuchen. Man kann ein Haus kaufen, die Kiezkneipe rausschmeißen, die Fassade neu streichen und versuchen die restlichen Mietverträge loszuwerden. Und wenn das nicht funktioniert, dann bietet man das Haus für ein Vielfaches des ursprünglichen Kaufpreises an. Dabei ist man sich dann auch nicht zu schade, die vielen sozialen Projekte im Viertel als Verkaufsargument anzupreisen.
Das ConHanHop in der E97 ist eines dieser soziale Projekte! Und es ist eines der letzten im Viertel. Zuletzt musste es um sein Überleben fürchten, weil der Vermieter auf Räumung geklagt hat. Dass es kaum noch solche Projekte im Viertel gibt, ist das Ergebnis einer Haltung genau solcher Eigentümer, denen das soziale Gefüge im Viertel herzlich egal ist und eines gesetzlichen Rahmens, der dieser Dynamik nichts entgegenzusetzen hat!
Wie es scheint, hat die Firma des Eigentümers direkt um die Ecke der E97 ein weiteres Haus gekauft. Nun müssen dort ein Fleischer und ein Obst- und Gemüseladen weichen. Sie sind seit vielen Jahren Institutionen im Viertel.
Wir sind nicht überrascht. Wir erwarten keine sozialverträgliche Haltung von einem Vermieter, der von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht hat, dass wir seiner Vorstellung von Profitmaximierung im Weg stehen. Dennoch verurteilen wir dieses Verhalten scharf! Und im Stillen lassen wir solche Dynamiken nicht geschehen!
Für eine Stadt für alle! Häuser denen die drin wohnen!
Eure E97

