Die E97

e97

Das E in E97 steht für Eisenbahnstraße, eine der schönsten, aber mittlerweile auch begehrtesten Straßen im Leipziger Osten. In den letzten zehn Jahren hat sich der durchschnittliche Mietpreis im Stadtteil Volkmarsdorf nahezu verdoppelt. Spekulation mit Wohnraum und wirtschaftlich motivierte Entmietungen machen auch vor dem früheren Arbeiter:innenviertel und seinen Bewohner:innen nicht halt – so kämpften auch wir über 10 Jahren für sicheres Wohnen in der E97, bis es uns 2026 endlich gelang das Haus zu kaufen. 

Wir als Hausgemeinschaft haben mit einem Erbbaurecht das Haus gekauft, der Grund und Boden bleibt in der Hand der Stiftung trias, wodruch sichergestellt wird, dass das Haus langfristig dem Immobilienmarkt entzogen bleibt. Das heißt: keine Spekulation mehr und keine Angst vor Verdrängung. Stattdessen dauerhaft stabile Mieten und selbstbestimmtes, nachhaltiges Wohnen für mehr als 30 Menschen sowie Raum für das unkommerzielle, soziale Zentrum Con Han Hop.

Denn Häuser sollen denen gehören, die darin wohnen.

Trendsport Mietkampf

Nachdem das Haus viele Jahre zum Leipziger Leerstand zählte, zogen 2013 die ersten Personen ein und begannen eigenständig die Wohnungen zu renovieren, um diese bewohnbar zu machen und sich ihr Zuhause einzurichten. In den Ladenflächen etablierten sich das soziokulturelle Projekt ConHanHop und die Kneipe Goldhorn. Nur kurze Zeit später wurde das Haus an eine Investorengruppe verkauft und der Kampf um die Mietverträge begann.

Durch Behaarlichkeit, herausragende juristische Vertretung und Durchhaltevermögen konnten 2019 die mit Abstand besten Mietverträge Leipzigs ausgehandelt werden. Die Zeit zum Aufatmen war jedoch kurz. Ohne dass die Bewohnenden zuvor informiert wurden, wurde das Haus 2023 erneut verkauft und die Lage eskalierte schnell. Der neue Eigentümer setzte beim Versuch die Bewohnenden zum Ausziehen zu bewegen harte Methoden ein: 5 Monate ohne Gas zum Kochen oder warm duschen, Brandanschläge am Freisitz der Kneipe, durchgeschnittene Stromkabel, ständig unangekündigte Bauarbeiten, Wasserschäden und Wutausbrüche des Eigentümers. 2024 wurde allen Wohnungen und den Ladenflächen gekündigt. Die Wohnungen konnten aufgrund der herausragend sicheren Mietverträgen die folgenden Räumungsklagen vorm Amtsgericht Leipzig für sich entscheiden, das Goldhorn musste leider im September 2024 ausziehen. Es folgten mehrere Verhandlungen mit dem Eigentümer das Haus an uns zu verkaufen, die jedoch scheiterten und in erneuten Kündigungen (dieses Mal mit anderen fadenscheinigen Gründen) mündeten. Letztendlich musste der alte Eigentümer aber einsehen, dass er uns mit welchen Mittel auch immer nicht aus diesem Haus raus bekommt und erklärte sich schließlich bereit zu verkaufen. So dass wir nach Jahren voller Druck, Schikanen und Unsicherheiten endlich sagen können: Kämpfen lohnt sich!

Die Hausgemeinschaft

Wir bewohnen die E97 mit ca. 30 Personen, verteilt auf 4 Etagen und mehrere Wohngemeinschaften. Die meisten von uns sind in ihren Zwanzigern oder Dreißigern. Durch die Jahre des Mietkampfes haben wir begonnen uns als Hausgemeinschaft zu organisieren und sind enger zusammen gewachsen. Das Zusammenleben gestaltet sich jedoch in den einzelnen Wohnungen individuell.

Was uns eint, ist der Wille sicheren, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und uns gegen Verdrängung zu engagieren. Bei vielen anderen Themen gibt es auch unterschiedliche Positionen, die wir aushalten müssen.

In den letzten Jahren haben wir den Mietkampf öffentlich geführt und haben dabei viel Unterstützung bekommen. Mit dem Hauskauf kommt nun viel neue Arbeit auf uns zu. Wir müssen lernen, ein Haus zu verwalten, neue Verantwortungen zu übernehmen und Prozesse kollektiv zu verhandeln.

Das Con Han Hop

Das Con Han Hop ist ein nicht-kommerzielles Ladenprojekt für das Viertel. Im Con Han Hop finden zahlreiche Veranstaltungen wie Lesungen, Kunstausstellungen, Diskussionen und gelegentlich auch Filmabende statt. Es wird von einer offenen Gruppe organisiert, die sich wöchentlich trifft. Das Hop will einen Raum für kollektives Lernen und Experimentieren schaffen.

Ladenflächen

Das Goldhorn war mit seiner 11-jährigen Geschichte eine Institution im Eisenbahnstraßenviertel. Nachdem es jahrelang ein Ort für wilde Partys und Konzerte war, hatte es sich in den letzten Jahren zu einem Treffpunkt und einer Latenight-Kneipe mitten auf der Eise entwickelt. 2024 musste das Goldhorn leider die Räumlichkeiten verlassen. Inzwischen sind dort (durch den alten Eigentümer) ein Späti und das Café Treff eingezogen.